Hufschuhe und Beschläge PDF Drucken E-Mail

 Hufschuhe:

 

Als wir vor Jahren mit Kamira und Nepomuk anfingen weitere Strecken zurückzulegen -und das ziemlich regelmässig- mussten wir uns mit dem Thema Hufschutz auseinandersetzen. Beide hatten zwar sehr gute Hufe, aber für diese Art Belastung reichte das nicht. Also fingen wir an uns verschiedene Hufschuhe genauer anzusehen und probierten viele aus. Mit der Zeit kristallisierten sich zwei Sorten heraus, die wir auch heute noch zwischenzeitlich benutzen, sei es in der beschlagsfreien Zeit im Winter oder als "Notnagel" während der Distanzen, wenn ein Beschlag verloren geht. Der Eine ist der Swiss-Horse-Boot, der Andere der Easy-Boot.

Der Swiss-Horse-Boot passt sehr gut an etwas steilere Hufe die im Idealfall gerade geformt sind. Die Verstellmöglichkeit des Halteriemens ist gut und es entstehen so gut wie keine Scheuerstellen. Er ist relativ leicht anzuziehen, wenn er sich einmal der Hufform angepasst hat und sitzt gut. Bei Pferden, die lang gefesselt sind und daher tiefer durchtreten, kann es besonderst auf der Hinterhand leicht zu Scheuerstellen kommen. Hier kann man den Trachtenrand des Hufschuhs etwas einkürzen. Die Haltbarkeit der Sohle ist erstaunlich gut. 

Der Easy-Boot passt sehr gut an flachere Hufe, da der Trachtenbereich nicht so hoch ist wie beim Swiss-Horse-Boot. Auch passt er wesentlich besser zu Hufen, die sich zur Sohle hin weiten. Durch den Trachtenriemen hält er sehr gut am Huf und ist mit ein wenig Übung leicht an- und auszuziehen. Sehr schön ist auch die einfache Verstellmöglichkeit mit der Schnalle wodurch man immer die richtige Spannung hat. Die Haltbarkeit der Sohle ist auch sehr gut, aber nicht so dauerhaft wie die der Swiss-Horse-Boots.

Beide Schuhe kann man neu besohlen lassen, oder man macht es selber, wenn man handwerklich ein wenig geschickt ist. Dazu eignen sich hervorragend Kuststoffbeschläge, die man einfach darunterschraubt. 

Sehr wichtig ist es, viel Geduld zu haben wenn man beschliesst auf Hufschuhe umzusteigen. Zum Einen, weil man das beste System für sich und sein Pferd suchen muss (was oftmals auch von Flüchen, schmerzenden Fingern und Rücken etc. begleitet wird) und zum Anderen, weil man das Pferd langsam an den immer leicht scheuernden Schuh gewöhnen muss. Das heisst, dass man den Huf sehr gut pflegen muss an den Stellen wo die Schuhe drücken, bis sich dort eine Art Hornhaut gebildet hat. Ausserdem muss man sich damit abfinden das eine oder andere mal die Hufschuhe im Gelände zu suchen. Besonders gerne halten sie sich in morastigen Pfützen auf.

Als wir dann anfingen die ersten Distanzen zu gehen haben wir unsere Hufschuhe regelmässig eingesetzt. Bei Kurzdistanzen bis 40 km war das eigentlich kein Problem, es sei denn der Boden war sehr sandig (scheuert auf Dauer extrem) oder es war tiefer Matsch. Die Distanzen wurden länger und mehr und somit war auch mehr Training erforderlich. Hier kam dann der Punkt, über den wir mit anderen Distanzreitern schon viel gesprochen hatten.  Die Belastung für den Huf wird zu hoch (Scheuern), die Zeit für das An- und Ausziehen und die Hufpflege fehlt, weil man mehr und länger trainiert und zu guter letzt ist es ein gewaltiger Unterschied, ob man auf einem Pulsritt, bei dem die Zeit nicht unbedingt über den Sieg entscheidet, mal Hufschuhe sucht, oder ob man auf einem nicht tempobegrenzten Ritt eigentlich gut platzieren könnte und trotzdem die rote Laterne trägt, weil die Hufschuhe unterwegs verschwunden sind. Das führte dazu, dass wir uns mit Beschlägen auseinandersetzen mussten.

 

Beschläge:

 

Tja, da hatten wir das nächste Problem! Welcher Beschlag ist der richtige? Kunststoff oder Eisen? Aufgrund der Erfahrungen mit den Hufschuhen und nach einigen Gesprächen mit Reitern war schnell klar, dass wir unserer Überzeugung folgen würden und entschieden uns für Plastiks. Es gab da doch eine Menge Vorteile, die die Nachteile überwogen.

Zwei der wichtigsten Vorteile waren die Dämpfung beim Auffussen und die Rutschfestigkeit. Der Kunststoff wirkt wie ein Dämpfer, so dass selbst bei harter Beanspruchung der Bewegungsmechanismus des Pferdes geschont wird. Die Sache mit der Rutschfestigkeit erwies sich als zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt sie grosse Sicherheit bei glatten Böden, andererseits stoppt der Beschlag auch abrupt beim Auffussen, was den Bewegungsmechanismus auf Dauer schädigen kann. Aber Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff und so gibt es Mischungen, die dem natürlichen „Rutschfaktor“ des Hufhorns sehr nahe kommen.

In Sachen Haltbarkeit haben wir grosse Unterschiede festgestellt. Unzählige Versuche mit Plastiks liessen am Ende nur zwei wirklich gut aussehen: Ground Control und Cera Endurance.

Der Ground Control kommt aus den USA und ist hier nur sehr schlecht zu bekommen. Zudem ist er in Deutschland sehr teuer, obwohl sich die Ausgabe lohnt, wir haben keinen Beschlag länger verwenden können. Unseren Vorrat bestritten wir aus „Mitbringseln“ von USA-Besuchern aus dem Bekanntenkreis. Dort sind sie nämlich sehr preiswert.

Leider hat dieser Beschlag auch seine Tücken. Er hat keine Aufzüge und der Nagelkanal ist vorgegeben und nicht variabel. So gibt es Probleme beim Beschlagen von Pferden mit unsymmetrischer weisser Linie. Pferde die beim Auffussen drehen verschieben ihn sehr schnell, so dass man häufig nachnageln muss. Hierfür ist er definitiv nicht geeignet.

Sehr positiv ist der Strahlschutz. Er sorgt dafür, dass die Hufsohle auch bei schotteriger Strecke optimal geschützt ist und massiert gleichzeitig den Strahl, was das Hornwachstum anregt.

Aufgrund der schwierigen Beschaffung und der Problematik mit drehenden Pferden suchten wir weiter und sind bei CERA fündig geworden. Dort gibt es den Endurance-Beschlag. Dieser hat ein ähnliche Kunststoffmischung und drei feste Aufzüge, die je nach Wunsch abgekniffen werden können. Ausserdem gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Formen und Grössen, sowie unterschiedlich lange Brücken, die im Trachtenbereich angebracht werden und somit zur Weiteneinstellung des Beschlages dienen. Auch der Nagelkanal lässt keine Wünsche offen. Er ist sehr flexibel gestaltet. Es gibt auch eine sehr gut beschriebene Beschlaganleitung dazu.

Wir probierten den Beschlag auch bei unserem „drehenden“ Pferd aus und verwendeten die seitlichen Aufzüge. Das Ergebnis war besser als beim Ground Control, jedoch noch nicht zufriedenstellend. Beim nächsten Mal verwendeten wir alle drei Aufzüge und der Beschlag hielt perfekt.

Auf eine ganz gravierende Eigenschaft sei noch hingewiesen: Plastiks weiten den Huf. Den Einen mehr, den Anderen weniger aber man sollte das unbedingt beobachten. Eines unserer Pferde hatte leichte Risse in der Hornkapsel, die nach und nach zu Spalten wurden. Dort setzten wir dann NBS-Eisen ein, beschlugen hinten aber weiter mit Plastiks. So bekamen wir das Problem in den Griff. Ein anderes Pferd hatte sehr schmale Hufe, die sich durch den Einsatz der Plastiks weiteten und eine sehr schöne Form bekamen.

Abschliessend sei hier noch bemerkt, dass sich nicht jeder Hufschmied mit Plastiks auskennt und viele den Einsatz generell ablehnen. Wer sie dennoch gerne einmal ausprobieren möchte, sollte auf jeden Fall ein Gespräch mit dem Hufschmied seines Vertrauens führen. Plastiks stellen auch nicht generell die bessere Wahl dar, da es eine Vielzahl von Sonderbeschlägen gibt, die nur in Eisen oder Aluminium ausgeführt werden können.

 

 

 

Beschlag während des Al Andalus:

 

 

Der Al Andalus war auch beschlagstechnisch eine neue Herausforderung. Nach Rücksprache mit Bettina Weidner und Iris Janowski, beide Teilnehmerinnen aus dem Vorjahr und aktive Distanzreiterinnen in Andalusien, erkannten wir schnell, dass unsere Beschläge nicht Andalusientauglich waren. Ein grosser Teil der Strecke führt durch grobschotterige Regionen mit teilweise bröckeligem Felsuntergrund sowie Geröllfelder, die viel Grip und einen sehr guten Strahlschutz erfordern.

Nach Rücksprache mit Frau Rafeld von der Firma CERA beschlossen wir trotzdem mit Endurance-Beschlägen zu starten. Es gibt eine spezielle Ausführung mit eingegossenen Gewindehülsen, in die kleine Madenschrauben mit Widia-Spitzen eingeschraubt werden können. Es handelt sich hierbei nicht um Stollen. Es sind vier Gewinde vorhanden, so dass es jedem überlassen ist, zwei oder vier Stifte zu verwenden.

Für den Strahlschutz stellte Frau Rafeld den Kontakt zu Bastiaan Zijlstra von der Firma Vettec her, einem Hersteller von Zwei-Komponenten-Kunststoffen für die Hufreparatur und den Hufschutz. Von dort bekamen wir Equi-Pak um es in Verbindung mit den Endurance-Beschlägen als Strahlschutz zu verwenden. Belinda Hitzler berichtete uns in einem Gespräch wegen der Rittvorbereitung auch von ihrer positiven Erfahrung mit diesem Beschlagsystem.

Also benutzten wir Endurance-Beschläge mit Widia-Spitzen und füllten den Strahl mit Equi-Pak bis knapp über die untere Kante des Beschlages. Die Verarbeitung war einfach und sauber, das Ergebnis  sehr zufriedenstellend.

So beschlagen starteten wir den Testritt in Holland und waren begeistert. Der Beschlag hielt, ebenso der Strahlschutz trotz teilweise sumpfigen und tiefen Bodens.

In Andalusien angekommen machten wir zwei Trainingsritte auf teilweise sehr felsigem und glattem Boden. Die Beschläge boten dabei sicheren Halt und der Strahlschutz zeigte keinerlei Veränderungen. Er saß weiterhin fest und blieb dabei weich und elastisch. So war perfekte Dämpfung zu erwarten.

Iris Janowski, bei der wir die Woche vor dem Ritt verbrachten, zeigte sich sehr interessiert an dem Beschlagsystem und machte sofort einen Termin mit ihrem Hufschmied damit wir ihm alles zeigen und erklären konnten.

Während des Al Andalus gab es viele neugierige Blicke und etliche Fragen von Reitern und Hufschmieden zu den Endurance-Beschlägen und zu dem Vettec-Strahlschutz. Auch die Tierärzte waren sehr interessiert daran. Wir waren die Einzigen, die sich mit Plastiks auf die Strecke wagten, die es durchaus in sich hatte. Schotter, Asphalt, Wasserdurchquerungen, Sand. Beschlag und Strahlschutz hielten perfekt!

Leider mussten wir dann wegen einer Sehnenverletzung aufgeben. Aber Iris, der wir viel von unserem Material überließen, testete während der Saison weiter für uns.

Hier ihr Bericht:

„Bin vor kurzem eine 80 km Distanz in Granada gelaufen. Mit 900 m Höhenunterschied und sehr schlammigem Boden. Und Eritrea  hatte einen Supertritt. Die Tierärzte im Gelände sprachen mich nach dem Rennen an:" Hast Du irgendetwas bei Deiner Stute verändert. Bei dem Schlamm und Gefälle sowie Steigungen hatte Eritrea einen sicheren Tritt und rutschte überhaupt nicht, wie die anderen Pferde." Ich habe vorne mit NBS-Eisen und hinten mit Hippoflex beschlagen und Vettec als Strahlschutz verwendet. Ich versuche hier Hippoflex zu bekommen, weil ich gerne auch vorne den Beschlag testen würde. Eine Distanzreiterin bei mir im Club will den Beschlag auch testen. Also ich bin begeistert. Wir beide gingen als 1. durchs Ziel, aber ihre Nerven....
Sie ging super unter 56 Pulsschläge, aber dann sah sie etwas und schon ging’s wieder rauf. Endergebnis 6. bei den andalusischen Meisterschaften. Aber ich bin zufrieden nach einem Jahr Verletzungspause.“

Eritrea hatte eine Muskelverletzung auf der Kruppe. Wenn sie hinten wegrutscht führt das meistens zu einer Lahmheit. Daher ist es sehr wichtig, dass sie einen sicheren und festen Tritt hat. Mit Endurance-Beschlägen in Kombination mit Vettec-Strahlschutz ist es Iris gelungen ihr Pferd problemlos durch unwegsames und rutschiges Gelände zu reiten. Sie hat auch in Ermangelung von Endurance-Beschlägen zwischenzeitlich andere Plastiks ausprobiert, die in Spanien mittlerweile erhältlich sind. Ihre klare Aussage danach lautet: Cera Endurance und sonst nichts! Auch mit den in Spanien üblichen Platten als Strahlschutz will sie nicht mehr arbeiten. Da gibt es nur noch eines und das ist Vettec!

Die Begeisterung hält sich nachhaltig und sehr viele Distanzreiter fragen inzwischen bei ihr an, ob sie ihnen nicht auch solche Beschläge beschaffen kann. Vettec-Produkte sind in Spanien mittlerweile problemlos erhältlich, bei den Endurance-Beschlägen sieht es schlecht aus. Wir werden von Ihr demnächst eine Wunschliste erhalten und sie an Frau Rafeld weitergeben.

Und nächstes Jahr testen wir dann hoffentlich wieder selber! Beim Raid Kaliber IV Tierras de al Andalus.

Zum Schluss noch ein ganz herzlicher Dank an Frau Rafeld von der Firma CERA und Herrn Zijlstra von der Firma Vettec für ihre Unterstützung.

 

 

 

 

 

 
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